Ligeia und andere Novellen; Sieben Gedichte

By Edgar Allan Poe

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der größtmöglichen Anzahl
Körper. Die Form dieser Körper ist gerade so, daß sie bei einer
gegebenen Oberflächengröße die größtmögliche Anhäufung von Materie
gestattet, während die Oberfläche selbst so beschaffen ist, daß sie eine
größere Zahl von Bewohnern aufnehmen kann, als wenn sie irgendeine andre
Gestalt hätte. Auch ist die Tatsache, daß der Raum selbst unendlich ist,
kein Argument dagegen, daß die Masse ein Zweck Gottes ist; denn eine
unendliche Materie mag vorhanden sein, um ihn zu füllen, und da wir
deutlich sehen, daß die Materie grundsätzlich von Leben erfüllt ist --
in der Tat, soweit unser Urteil reicht, ein leitender Grundsatz in den
Maßnahmen der Gottheit -- so ist es kaum logisch, dieses Leben auf die
Regionen des Kleinen, wo wir es täglich nachweisen können, zu
beschränken und nicht auf die des Erhabenen auszudehnen. Da wir ohne
Ende Kreis in Kreise laufen sehen, alle aber sich um eine ferne Mitte
drehen, um die Gottheit, sollten wir da nicht gleicherweise Leben in
Leben vermuten, das kleinere im größeren und alle im göttlichen Geiste?
Kurz, wir sind infolge unsrer Selbstüberhebung in einem gewaltigen
Irrtum, wenn wir annehmen, der Mensch sei in seiner zeitlichen oder
zukünftigen Bestimmung von größerer Wichtigkeit für das Universum als
der gewaltige Talkörper, den er beackert und verachtet und dem er eine
Seele abspricht, aus keinem tieferen Grunde, als weil er sie nicht in
Tätigkeit sieht[3].

Solche und ähnliche Vorstellungen haben meinen Betrachtungen in den
Bergen und Wäldern, an den Flüssen und am Meere eine Beimischung
gegeben, die von der Alltagswelt zweifellos als »phantastisch«
bezeichnet werden würde. Meine zahllosen, meist einsamen Wanderungen in
solchen Gegenden pflegten meinen Geist ungewöhnlich lebhaft zu
beschäftigen, und die Hingabe, mit der ich manchen düstern Talgrund
durchstreifte oder in die Himmelsspiegelung manches strahlenden Sees
blickte, wurde sehr vertieft durch das Bewußtsein, daß ich _allein_
wanderte und Umschau hielt. Welcher geschwätzige Franzose[4] war es
doch, der mit Beziehung auf das Werk von Zimmermann sagte: »la solitude
est une belle chose; mais il faut quelqu'un pour vous dire que la
solitude est une belle chose«? Dem Epigramm ist nicht zu widersprechen;
aber dies »il faut« -- diese Notwendigkeit ist doch ein Unding.

Es war auf einer meiner einsamen Wanderungen in weit entfernten
Gegenden, wo Berg an Berg geschlossen war und trauervolle Flüsse und
schwermütige Sümpfe sich einherwanden oder schlummernd lagen, als ich an
einen kleinen Fluß mit einer Insel kam. Es war im laubreichen Juni. Ich
warf mich auf den Rasen unter die Zweige eines unbekannten duftenden
Gesträuches, um in Betrachtung des Bildes versunken zu ruhen. Ich
fühlte, nur so sollte ich es ansehen, dies entsprach seinem Charakter.

Auf allen Seiten -- außer gen Westen, wo die Sonne

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